Viel zu tun auf dem Weg zur Circular Economy

Veröffentlich von Henny Radicke

In den vergangenen Jahren hat der Begriff „Circular Economy“ zunehmend Verbreitung gefunden und auch das Bauwesen erreicht. Für die Umsetzung des Konzepts in der Bau- und Immobilienwirtschaft gibt es verschiedenste Stellschrauben. Welche das sind und welche Akteure dabei gefragt sind, hat die DGNB in dem Report „Circular Economy – Kreisläufe schließen, heißt zukunftsfähig sein“ zusammengestellt. Zudem gibt die DGNB eine Toolbox an die Hand, wie der Gedanke der Circular Economy am Projekt realisiert werden kann. Die wichtigste Botschaft: Der Wandel ist möglich, jeder gemachte Schritt ist dabei wichtig, aber es geht nur gemeinsam.

 

Das der Circular Economy zugrundeliegende Konzept ist vielversprechend: Über die Wertschätzung sowie die Wiederverwendung und Verwertung von Ressourcen soll deren Verfügbarkeit und Qualität für kommende Generationen sichergestellt werden. Dabei geht es um nicht weniger als einen grundlegenden Wandel: Weg vom linearen hin zum zirkulären Modell.

Es braucht einen Wandel: Weg vom linearen Wirtschaften hin zur Circular Economy

Es braucht einen Wandel: Weg vom linearen Wirtschaften hin zur Circular Economy

Die Circular Economy ist logisch – aber wie kann der Wandel gelingen?

Der DGNB Report "Circular Economy" ist online verfügbar

Der DGNB Report „Circular Economy“ ist online verfügbar

In ihrem Report hat die DGNB eine Reihe von strategischen Handlungsfeldern definiert, die für den Übergang in das zirkuläre Wirtschaftsmodell entscheidend sind. Es fängt damit an, eine Haltung für Circular Economy einzunehmen und die Akzeptanz für wiederverwendete Bauteile herzustellen. Dabei geht es darum, Aufklärung zu leisten und neue Trends zu setzen. Auch eine Zusammenarbeit der relevanten Akteure bereits in frühen Planungsphasen ist wichtig. Gefragt sind bei all dem aber nicht nur Planer, sondern auch die öffentliche Hand und Bauproduktehersteller.

Die aktuell vorherrschende Rechtsunsicherheit ist ein wesentliches Hemmnis für die weitere Verbreitung der Circular Economy. Hier sind Aufklärung und entsprechende Informationsangebote unbedingt notwendig. Während der Gesetzgeber klarere Regeln bezüglich der Wiederverwendung von Bauteilen formulieren und kommunizieren muss, sollten Hersteller neue Formen der Gewährleistung evaluieren. Planer wiederum sollten sich über die aktuelle Rechtslage informieren und Fortbildungsangebote wahrnehmen.

Transparenz schaffen, Informationsvermittlung stärken

Schad- und Gefahrenstoffe zu vermeiden sowie eine entsprechende Dokumentation ist ein weiteres strategisches Handlungsfeld in Bezug auf die Circular Economy. Hier braucht es eine größere Transparenz im Hinblick auf die verbauten Materialien. Stoffströme durch Schadstoffanteile im Rezyklat zu verunreinigen und das Problem damit in die Zukunft zu verlagern, ist sicher nicht der richtige Weg. Die Verwendung alternativer Materialien sowie die Einführung von transparenten Informationsquellen dagegen sehr wohl. Bei diesem Punkt sind auch Hochschulen, Fortbildungsinstitute und anderen Fachinformationsquellen gefragt. Planern kommt bei der Aufklärung der Bauherren eine wichtige Rolle zu. Zudem sollten sie eine recyclingorientierte Dokumentation vorsehen. Und auch der Gesetzgeber ist hier am Zug – etwa über die Forderung, dass Schadstoffanalysen für heutige Rückbauten gezielt auf Recycling ausgerichtet werden.

Systematisch und schrittweise zu mehr Akzeptanz von Circular-Economy-Lösungen

Die gängigen Prozesse rund um die Circular Economy sind in vielen Bereichen derzeit noch nicht wirtschaftlich genug. Eine Ursache ist sicherlich, dass diese aufgrund der geringen Nachfrage noch nicht etabliert sind. Prozesse optimieren, Informationen vorhalten sowie Angebot und Nachfrage zusammenbringen sind drei Aufgabenfelder, die im DGNB Report dazu benannt werden. Dabei braucht es nicht direkt den großen Wurf oder die perfekte Lösung. Auch kleine Schritte helfen. Solche notwendigen Schritte ergeben sich beispielsweise für Rückbau-, Recycling- und Entsorgungsunternehmen, die in Zusammenarbeit mit Herstellern übergeordnete Rücknahmeprozesse etablieren und Mitarbeiter schulen sollten. Für die öffentliche Hand gilt: Sie sollte als Vorbild agieren, zum Beispiel die Rückbaubarkeit durch digitale Werkzeuge unterstützen und hierfür eventuell überregionale Plattformen schaffen.

Toolbox mit vielen vorbildlichen Umsetzungsbeispielen

Die Liste der im DGNB Report benannten strategischen Handlungsfelder und der dabei skizzierten Lösungsansätze ist damit bei weitem noch nicht vollständig. In der entsprechenden Toolbox im Report wird zudem eine Vielzahl von Impulsen und Beispielen für die praktische Umsetzung in der Planung gegeben. Und es gibt eine Checkliste, wie eine umbau- und recyclingfreundliche Planung in der Praxis aussehen kann. Zu finden ist der Circular-Economy-Report online unter www.dgnb.de/reports. Hier können sich Interessierte die 60-seitige Publikation auch kostenlos als PDF oder in gedruckter Form bestellen. Die Toolbox soll nun online ausgebaut und kontinuierlich mit weiteren Beispielen gefüllt werden.

Die Online-Toolbox der DGNB zur Circular Economy umfasst sechs Bereiche.

Die Online-Toolbox der DGNB zur Circular Economy umfasst sechs Bereiche.

Gemeinsam zum Ziel: Circular Economy jetzt umsetzen!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die übergeordnete Aufgabe klar ist: Es geht um ein grundsätzliches Umdenken und eine Transformation der gängigen Praxis. Hier braucht es einerseits klar definierte Verantwortungs- und damit Handlungsräume. Es geht aber gerade auch darum, vorhandenes Wissen zu nutzen und miteinander zu teilen. Von bestehenden Lösungen können wir lernen und diese an aktuelle Bedingungen anpassen. Dabei muss es nicht immer die komplexe Lösung sein; oftmals ist weniger mehr. Wir sollten den Status Quo öfter hinterfragen, Neues ausprobieren, Experimentierräume schaffen und dabei aus Fehlern lernen. Die DGNB als Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen kann und will hierbei die wichtigsten Akteure zusammenführen, um uns gemeinsam auf dem Weg hin zur Circular Economy voranzubringen. Denn wie der Titel des Reports schon sagt: Kreisläufe schließen, heißt zukunftsfähig sein.

Moderiert von : Alice Dupuy

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