Ein neues Europäisches Bauhaus? Wir sind dabei!

Mit dem Green Deal hat die EU-Kommission mit Ursula von der Leyen an der Spitze für reichlich Wirbel und – im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit – Aufbruchsstimmung gesorgt. Dass der Baubereich auf diesem Weg zum „ersten klimaneutralen Kontinent“ eine zentrale Rolle einnimmt, ist richtig und wichtig. Endlich wurde es verstanden und nicht von Bedenkenträgern weglobbyiert.

In einem Artikel in der FAZ hat Ursula von der Leyen nachgelegt und ihre Vision von einem neuen Europäischen Bauhaus skizziert. Was dort steht, liest sich ein stückweit als Zusammenfassung von all dem, wofür auch die DGNB seit der Gründung im Jahr 2007 steht und sich einsetzt.

Eine Kostprobe: „Wir müssen umdenken und umplanen. Unsere Wirtschaft muss sich stärker in Kreisläufen organisieren, die Ressourcen schonen, die der Natur das zurückgeben, was sie ihr entnehmen.“ Oder auch: „Wir müssen Design und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang bringen.“

Mit dem neuen Europäischen Bauhaus will die EU-Kommission „den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über neue Bauweisen und Designformen anregen“. Ein wichtiger und richtiger, weil kultureller Ansatz, der unglaublich fruchtbar sein kann, wie wir es in der DGNB immer wieder mit unserem Netzwerk erleben dürfen. Andere Sichtweisen zulassen, von gemachten Erfahrungen profitieren und gemeinsam die besten Lösungen finden, darum geht es. Auf diese Weise will Frau von der Leyen „helfen, das 21. Jahrhundert schöner und humaner zu machen“. Ein großartiger Plan. Wir sind dabei!

Ruf nach Kooperation und Interdisziplinarität

Dazu passt auch das Selbstverständnis, dass die neue Europäische Bauhaus-Bewegung ein „Raum des gemeinsamen Gestaltens und der Kreativität (sein soll), in dem Architekten, Künstlerinnen, Studenten, Systemwissenschaftler, Ingenieurinnen und Designer zusammenarbeiten“. Kooperation und Interdisziplinarität sind der Schlüssel. Das leben wir als DGNB auf intensive Weise: Mit unseren Systempartnern in Dänemark, Österreich, Spanien und der Schweiz. Mit Dutzenden Kooperationspartnern aus aller Welt, deren Liste den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Und im Rahmen unserer Initiativen und Netzwerke wie der Phase NachhaltigkeitKlimapositive Städte und GemeindenG17 oder Construction 21.

Auch bei den Ansätzen rund um die Digitalisierung, die in der Vision des neuen Europäischen Bauhauses skizziert werden, kooperiert die DGNB mit neuen Partnern wie dem Leonhard Obermeyer Center der TU München, planen bauen 4.0, dem BIM-Tag Deutschland oder der BIM World. Die Rolle der DGNB bei diesem Thema: Wir helfen Nachhaltigkeit als Kernanforderung der Digitalisierung zu implementieren. Denn wir müssen aufpassen, dass wir bei der Digitalisierung im Baukontext nicht in ein „Viel hilft viel“ verfallen. Für Ursula von der Leyen sind in diesem Zusammenhang „vollständig klimaneutrale und lebenswertere Städte“ das Ziel. Auch hier: Haken dahinter.

Nur nicht im Land der Leuchttürme stecken bleiben

Bei aller Euphorie ist es entscheidend, dass die angedachte Bewegung nicht in elitären Kreisen oder bei Leuchtturmprojekten verharrt, sondern auf breiter Basis inspiriert und zum Nachahmen – oder besser noch Mitmachen und Selbstgestalten – animiert. Nur dann würde der von Ursula von der Leyen als „kulturelles Projekt“ beschriebene Green Deal mit seiner Bauhaus-Erweiterung die erhoffte Wirkung erzielen. Unsere neu gegründete Wissensstiftung beispielsweise setzt genau hier an und liefert Bausteine, um nachhaltiges Bauen sofort im eigenen Projekt konkret werden zu lassen.

Wir haben Lust, das Ganze mit zu prägen und uns mit unserem deutschen und europäischen Netzwerk von Vordenkern und Machern aktiv einzubringen. Unsere Erfahrungen zu teilen. Und von anderen zu lernen. Als Teil einer „Bewegung, die unsere Städte und unser Wohnen nachhaltiger und lebenswerter macht“, wie es die Kommissionspräsidentin selbst so schön formuliert hat.


Titelbild: CC-BY-4.0: © European Union 2019 – Source: EP

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