„Skaio inspiriert zu undogmatischen Denkansätzen“ – Interview mit Markus Lager (kaden+lager)

 BUGA  Heilbronn  Holzbau  Holzhochhaus
Veröffentlich von Witold Buenger

Das Heilbronner Skaio ist Deutschlands höchstes Holzhochhaus und wurde mit der Auszeichnung DGNB Diamant für gestalterische und baukulturelle Qualität gewürdigt. Im Interview spricht Skaio Architekt Markus Lager von kaden+lager über die Herausforderungen des Projekts, die Vorbildfunktionen von Gebäuden und erklärt, was andere Projekte vom Skaio lernen können.

Witold Buenger (WB): Können Sie die Grundidee des Skaio in einem Satz formulieren?

Natürlich – jedes gute Projekt sollte in einem Satz erklärbar sein. In diesem Fall würde ich sagen: Die Idee des Skaio ist es, ein wohnungswirtschaftliches Exempel für Wohn- und Materialqualität sowie für die Rezyklierbarkeit zu statuieren.

WB: Was war die größte Herausforderung für Sie im Entwurf und später beim Bau?

Die trockenen, reversiblen Deckenkonstruktionen aus Brettsperrholz in Kombination mit Schallschutz nach DIN 4109 Beiblatt 2 waren definitiv die größte Herausforderung.

WB: Was haben Sie anhand des Skaio gelernt, das Sie noch nicht wussten?

Wir mussten uns im Kontext des Projekts ausführlich mit den Auswirkungen einzelner Baustoffe auf die Innenraumluftqualität auseinandersetzen – das war, zumindest in dieser Intensität, neu für mich. Ein anderes Beispiel: Die Modulbäder der Wohnungen wurden in Fertigungsstraßen extern als vorgefertigte Räume produziert, auf die Baustelle geliefert und dort lediglich angeschlossen. In puncto Prozessqualität war die Koordination dieser Vorgänge eine vollkommen neue Erfahrung.

WB: Für das Skaio hat der Bauherr die Auszeichnung DGNB Diamant für herausragende Architektur erhalten. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Die Kombination von architektonischer und ökologischer Qualität ist unser Grundsatz. Dass wir damit „auf dem richtigen Weg sind“, zeigt die Verleihung der ersten Auszeichnung DGNB Diamant aus dem Jahr 2016. Dass unser Skaio nun ebenfalls ausgezeichnet wurde, freut uns außerordentlich.

WB: Was können sich kommende Holz- und Hybridkonstruktionen am Skaio abschauen?

Ich glaube, Skaio inspiriert dazu, hybride Konstruktion als undogmatischen Denkansatz zu interpretieren und Baustoffe dort einzusetzen, wo sie bzw. die Kombination mit bestimmten anderen Materialien Sinn machen. Schon zu Beginn des Entwurfs haben wir uns immer wieder gefragt: Wie können wir Materialen mit all ihren Eigenschaften von Anfang an als Parameter miteinbeziehen, anstatt lediglich zwischen Optionen aus einem Katalog zu wählen? Ich denke, auch andere Büros sollten intensiver mit solchen Fragen arbeiten.

WB: Mit dem Projekt c13, einem Holzbau mit gemischter Nutzung, sind Sie für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 nominiert. Was unterscheidet die beiden Projekte für Sie?

Beim Skaio ging es um maximale Wohnqualität, das c13 hingegen ist eine Art „Stadt in der Stadt“ und unterscheidet sich im Verhältnis zwischen Wohn- und Gewerbe- oder Gemeinschaftsflächen. Beim Skaio ist der Anteil gleichartiger Apartments deutlich höher als im c13. Dennoch gibt es auch beim Skaio Gewerbe- und Gemeinschaftsflächen, denn Monofunktionalität ist zwar einfach umzusetzen, zum Leben in der Stadt aber nicht geeignet. Überdies ist das Skaio sortenrein gebaut, was wichtig für den Ansatz der Circular Economy ist. Beim c13 wurden auch Verbundwerkstoffe verwendet, z. B. eine Holz-Beton-Verbunddecke. Letztlich ist für Architekten zudem auch immer wichtig: Wer ist der Bauherr? Beim c13 ist es eine private Stiftung, beim Skaio eine städtische Wohnungsbaugesellschaft.

Moderiert von : Pia Hettinger

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